#Normandie

Pauli bloggt über die Normandie

Endlich sind wir wieder zu Hause, Irgendwie habe ich das bei drei Wochen Urlaub schon vermisst. Jetzt kann ich mich endlich hinsetzen und meine Urlaubserinnerungen für Euch aufschreiben. Und Fotos sichten und das ganz Krams. Heute berichte ich Euch erstmal über die erste Woche in der Normandie. Die Bretagne folgt dann demnächst ;-).

Das war vielleicht eine erste, spannende Urlaubswoche. Allein die Anreise mit 1.153 km war gaaaaanz schön langweilig. Da freut Mops sich schon sehr, auf einer Raststätte mal auf Leidensgenossen zu treffen.

Kumpels

Auch wenn wir in Belgien einen Zwischenstopp eingelegt haben war ich dann doch sehr froh, als wir endlich in Colombiers sur Seulles angekommen waren. Und was soll ich Euch sagen, es ist ein zauberhaft Ort. 169 Einwohner und dabei sind bestimmt auch schon Fuchs und Igel mitgezählt worden. Also perfekt für mich als neugierige Mopsdame.

Ortsschild

Unser Quartier für die Woche stellt sich als genauso niedlich heraus wie auf den Fotos im Internet. Ich darf allerdings nicht mit nach oben und so gehört mir nachts das Sofa ganz allein. Leider durfte ich nicht mit der Bordercolliehündin unserer Vermieterin spielen, weil ihr zickiger, kleiner Fußhupenkumpel immer Theater gemacht hat. Macht aber nichts. Ich liebe ja seit letztem Jahr (Sylt) den Strand und habe da auch immer mal wieder Freunde getroffen. Nur das Wasser ist mir immer noch nicht geheuer.

Natürlich waren wir auch viel unterwegs. Wenn ich jetzt an dieser Stelle über alles ausführlich berichten würde, hättet Ihr bald schon keine Lust mehr zu lesen. Darum eher kurz und knackig (wird auch so viel, es ist aber auch toll hier 🙂 ).

Luc sur Mer

Voll cool. Hier hängt mitten in einem schönen (botanischen?) Garten hinter dem Rathaus ein riesiger Wal an der Wand. Genauer gesagt natürlich nur dessen Skelett. Beeindruckend. Neben den schönen, alten Bäumen fand ich auch die Ziegen lustig.

Deauxville

Man, was hatte ich mir hier alles vorgestellt. Und dann? Leer wie Mallorca im November. Kaum Menschen, der Strand leer aber der Café au lait für 4,50€. Wenigstens bei den Preisen wurde ich nicht überrascht. Architektonisch ist der Ort sehr schön. Den Rest kannste wahrscheinlich besser beantworten, wenn mal was los ist.

Villiers sur mer

Als wir ankamen hat es ohne Ende geschüttet. Aber wenigstens den Nullmeridian wollte ich sehen und mal mit zwei Pfoten auf der westlichen und zweien auf der östlichen Erdhalbkugel stehen. Check. Erledigt.

Der Null-Meridian

Maisy, Point du hoc und Omaha

Die Sonne strahlt und wir befassen uns mit den weniger strahlenden Themen. Unsere unrühmliche Geschichte steht auf dem Programm. Bei Grandcamp-Maisy haben wir uns die riesigen Überreste einer Artelleriestellung angesehen, die vor etwas mehr als gerade mal zehn Jahren auf einem überwucherten Privatgrundstück wiederentdeckt wurde. Das klingt jetzt klein? Von wegen! 3km Schützengräben, zahlreiche Bunker und sechs Geschützstellungen vermitteln einen melancholischen Eindruck der Geschehnisse vor 74 Jahren.

Am Point du hoc sind es keine anderen Bilder. Auch wenn ich nicht mit auf das Areal durfte vermitteln die Bilder der zahlreichen Krater eine deutliche Sprache. Krieg ist scheiße! Für alle!

An einem der Landungsstrände, dem Omaha-Beach erinnert ein sehr gelungenes, modernes Kunstwerk an die Ereignisse im Jahr 1944, die dieser Region für immer einen Platz in den Geschichtsbüchern verschafft haben. Also noch mal: nie wieder Krieg. Vive l’Europe.

Arromanche les bains

Noch mal WW2. Diesmal aber zuerst weniger Kämpfe, dafür mehr Ingenieurskunst. Der künstlich angelegte Hafen ist in Überresten noch heute zu sehen. Gigantisch. Bei Ebbe könnt Ihr Euch nich Teile der alten Pontons aus Beton ansehen.

Im Nachbarort lassen sich dann noch vier Artelleriestände (unzerstört) anschauen. Gruselig, dass die 152 mm Kanonen bis zu 19 km weit feuern konnten.

Bayeux und Balleroy

Hurra! Keine Kriegsschauplätze mehr. Selbst als Mops hatte ich mehr als einmal Gänsehaut. Dennoch finde ich es wichtig, durch die Orte den Schrecken zu vermitteln. Wir sind jetzt jedenfalls auf dem Weg in die Bretagne und weil die Strecke nur 173 km beträgt, schauen wir noch mal in Bayeux vorbei. Wirklich schön hier und durch das Mittelalterfest gleich doppelt so lebendig. Und wie schon die ganze Woche über nur freundliche Menschen, die vor allem, wenn sich mich sehen immer in euphorische „Carlin, Carlin“-Rufe verfallen und und mich mit den tollsten Gurr-Lauten umschnattern. Tja, ich bin halt ein echter Sympathiebotschafter (zwinker in Richtung UNO).

Auf der weiteren Fahrt haben wir auch das Chateau Balleroy besucht und, was soll ich sagen, ein Traum, den Garten besichtig. Und ich durfte gegen jede Vorschrift von der Leine. Hach, was war das schön.
Adieu Normandie, bonjour Bretagne. Von meiner zweiten Urlaubswoche lest ihr in Kürze.

PS: Ganz viele Tipps und Idee habe ich von meinem Kumpel Ralf Nestmeyer, der einen unglaublich tollen Reiseführer über die Normandie geschrieben hat. Leider habe ich nur einen Bruchteil davon geschafft. Also ein guter Grund zum Wiederkommen :-).

Eure Pauli

#Normandie-Interview

Pauli interviewt Ralf Nestmeyer

Wie Ihr vielleicht in meiner bucket list gelesen habt, möchte ich diesen Sommer nach Frankreich fahren, genauer gesagt in die Normandie. Wie der Zufall so will, haben die tollen Menschen bei Atout France davon Wind bekommen und hatten eine Idee für ein Interview. Und weil der Zufall – anders als der Blitz – häufig mehrmals auf ein und derselben Stelle einschlägt – kannte ich meinen heutigen Interviewpartner Ralf Nestmeyer schon indirekt, da ich seinen Reiseführer als Vorbereitung auf den Urlaub schon längst gelesen habe. Also  keine langen Vorreden mehr, ich muss heute auch noch mal Gassi gehen. Und los geht es …

Foto: Ralf Nestmeyer

Frage 1: Was hat Sie angetrieben, einen Reiseführer zu den 111 „must see“ Attraktionen in der Normandie zu schreiben?

Zum einen fasziniert mich die Normandie, seit ich im Jahre 1995 zum ersten Mal dort war. Bedingt durch meinen Normandie-Reiseführer (Michael-Müller-Verlag) bereise ich die Region regelmäßig. Dabei habe ich neben den klassischen Highlights natürlich immer wieder Dinge entdeckt wie eine altertümliche Gezeitenuhr oder einen ehemaligen Hangar für Luftschiffe, die nicht in ein Reiseführer-Konzept passen, sich aber für ein Buch der bekannten 111-Orte-Reihe (Emons Verlag) perfekt eignen. Zudem hatte ich zuvor schon die 111-Orte-Bände über die Provence und die Côte d’Azur geschrieben.

Abbildung: Ralf Nestermeyer / Emons Verlag

Frage 2: Stichwort: Frankophil. Haben Sie als Kind eigentlich Asterix & Obelix gelesen? Hat Sie das irgendwie beeinflusst und überhaupt, finden Sie Idefix auch so cool wie ich?

Selbstverständlich! Wahrscheinlich hat dies unbewusst dazu geführt, dass ich mich im Gymnasium für Französisch als zweite Fremdsprache entschieden habe. Asterix ist Kult. Und Idefix ist schon ein cooler Typ.

Frage 3: Frankreich ist in Deutschland nicht gerade für seine sprachliche Toleranz berühmt. Wie sieht es damit in der Normandie aus? Meine Menschen sprechen nicht wirklich französisch, sollte ich mir also lieber genug Futter einpacken?

Nein, nein. In den touristisch erschlossenen Regionen ist dies eigentlich kein Problem, aber es gibt schon Dörfer im Hinterland, wo man in der Regel selbst mit Englisch nicht sehr weit kommt. Daher ist es ratsam, sich zumindest Grundkenntnisse in Französisch anzueignen. Allein der Versuch, sich in der Landessprache verständlich zu machen, wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Pluspunkte lassen sich auch durch den häufigen Gebrauch von S’il vous plaît sammeln. Denn im Gegensatz zu Deutschland gilt es in Frankreich als unhöflich, das Wörtchen bitte zu vergessen.

Foto: Panneau gastronomie © C. Lagu CRT Normandie

Frage 4: Apropos Futter: Hoffentlich müssen Hunde nicht auch Froschschenkel und gestopfte Gänseleber essen. Bitte nennen Sie Ihre Tipps, was meine Menschen unbedingt probieren sollten und wo ich den besten Knochen bekomme?

Froschschenkel kommen heutzutage in Frankreich nicht mehr sehr häufig auf den Restauranttisch. Ein Klassiker sind Tripes à la mode de Caen – allerdings sind Kutteln auch nicht jedes Hundes Sache. Sehr lecker ist Marmite dieppoise, in die normannische Variante des Fischeintopfs gehören noch Muscheln, Krabben und Gemüse. Tierisch gut ist die Boudin noir, ein in Mortagne-au-Perche aus Schweinefleisch hergestellte Blutwurst – allerdings ohne Knochen!

Foto: Vire Bocage Normand © Calvados Tourisme

Frage 5: Strandleben mag ich total und vor allem liebe ich Strandkörbe. Wir sind die erste Woche in der Nähe des Juno-Beach. Darf ich als wohlerzogene Mops-Dame mit an die Strände?

Da gibt es klare Richtlinien: Es gibt spezielle, für Hunde erlaubte Strandabschnitte, so beispielsweise in Luc-sur-Mer auf dem Deich sowie am Strand von Lion-sur-Mer, zudem muss das Frauchen unbedingt eine Tüte für den Fall der Fälle mit sich führen. Und selbst da, wo Hunde an den Strand dürfen, gilt: Ohne Leine geht gar nichts (sorry!)

Foto: Deauville parasols © Maggie McNulty CRT Normandie

Frage 6: Ich würde mich als liberalen und toleranten Mops bezeichnen. Wie sind die Normannen eigentlich so im Umgang mit Hunden?

Da gibt es wohl keinen signifikanten Unterschied zu Deutschland. Die Zahl der Hundeliebhaber und Hundehasser dürfte sich auf beiden Seiten des Rheins die Waage halten.

Foto: La pointe du Hoc © E. Valère CRT Normandie

Frage 7: Mein Frauchen geht gern mal im Urlaub shoppen. Was sind Ihre Top drei Tipps?

Noble Boutiquen wie Louis Vuitton und Hermès finden sich vor allem in Deauville. Die größte Auswahl hat man in normannischen Metropolen Rouen und Caen, daneben gibt es natürlich unendlich viele kleine Geschäfte mit regionalen Spezialitäten. So gibt es beispielsweise in Vains an der Baie du Mont-Saint-Michel eine Karamellfabrik, deren süße Köstlichkeiten alle aus regionalen Biozutaten zubereitet werden. Letztere stelle ich auch als einen der 111 Orte vor.

Foto: 6652-Rouen le Gros Horloge © M.Trebaol – CRT Normandie

Frage 8: Meine Menschen sind sehr digital unterwegs. Wie gut schaut es mit der W-Lan-Versorgung aus?

Die W-Lan-Versorgung ist perfekt. Nahezu jedes Hotel und jeder Campingplatz verfügt über einen kostenlosen Zugang ins Netz. Hinzu kommen öffentliche Hotspots, außerdem bieten viele Cafés diesen Service für ihre Gäste an.

Plage du havre © L. Recouvrot CRT Normandie

Frage 9: Jetzt geradeheraus: Wo treffe ich die coolsten Köter der Gegend?

Als Universitätsstadt hat Caen natürlich zahlreiche Club, Cafés und Bars zu bieten, wo man gut abhängen und in den Flirtmodus schalten kann.

Caen abbaye aux dames © Stéphane_Maurice – CRT Normandie

Frage 10: Hier kommt meine letzte Frage. Welches ist Ihr ganz persönlicher Kraftort in der Normandie und warum?

Ein Kraftort? Mmmh. Ich mag die wilde Küstenlandschaft zwischen Barneville-Carteret und dem Cap de Hague genauso gerne wie die Klöster und Städte im Tal der Seine. Ein idealer Rückzugsort ist die abgelegene, ehemalige Grafschaft Perche.

Jumièges © L. Recouvrot CRT Normandie

Lieber Herr Nestmeyer, Sie haben es überstanden. Vielen Dank für Ihre Zeit und die ganzen Tipps und so. Ich werde aus dem Urlaub  berichten, was ich alles erlebt habe. Bis dahin freue ich mich jetzt noch mehr! Das Interview wurde durch About France vermittelt. Als Mops-Bloggerin habe dafür weder Geld noch andere Leistungen erhalten (nicht mal Leckerlies), durfte aber Pressefotos verwenden, wofür ich ganz herzlich danke sagen möchte.

Jetzt bin ich aber KO und träume schon mal auf meiner Lieblingsdecke vom Sommer <3